Fragen & Antworten

Hier finden Sie Antworten zu den folgenden Fragen:

Was ist “ENRI-East”?

ENRI-East ist ein internationales Forschungsprojekt, das sich den sozio-ethnischen Identitäten in Osteuropa widmet. Theorie, Methodologie und Empirie werden dabei innovativ vereint. Bislang existiert keine vergleichbare Studie im Sinne der geographischen Ausdehnung, der thematischen Bandbreite und der Vielfalt an Forschungsinstrumenten und -methoden.

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Was verstehen wir unter “Identitäten” im Rahmen unseres Projekts?

Im Rahmen des ENRI-East-Projekts wird “Identität” als soziales Phänomen mit viel verschiedenen Aspekten verstanden. In den Sozialwissenschaften wird der Begriff „soziale Identität“ als eine Form der Selbstdefinition von Individuen bzw. deren Gruppenzugehörigkeit (zu einer Nation, einer sozialen Klasse, einer Subkultur, einer Ethnie, einem Geschlecht etc.) definiert. [Siehe dazu einen Überblick auf Wikipedia http://en.wikipedia.org/wiki/Identity_(social_science) oder Cote, James E. and Charles Levine (2002). Identity Formation, Agency, and Culture. New Jersey: Lawrence Erlbaum Associates.]

Das Projektteam geht von dieser sehr breiten Definition aus und untersucht darauf aufbauend verschiedenen Aspekte (darunter ethnische, kulturelle und politische Selbstzuschreibungen) und Strukturen sozialer Identitäten von Gruppen, die einer „geteilten“ Ethnie oder Nation an der Ost/West-Grenze Europas angehören.

In unserer Studie untersuchen wir vier Elemente von Identität, die ihm Rahmen der empirischen Umfragen hinterfragt werden sollen. Wir gehen dabei von einem Konzept von Andreas Wimmer (UCLA, AJS, 2008) aus, das von Dr. Florian Pichler auf das ENRI-East-Projekt angepasst wurde.

Dabei handelt es sich um die folgenden vier Elemente:

  • Politische Besonderheiten von Identitäten
  • Soziale Schließung von Identitäten
  • Kulturelle Differenzierungen innerhalb von Identitäten
  • Stärke und Stabilität von Identitäten

Mehr zu den Forschungsschwerpunkten

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Warum das Zusammenspiel osteuropäischer Identitäten erforschen?

Der Forschungsstand bezüglich der Identitäten in Europa ist bereits sehr fortgeschritten. Wir wissen viel über die verschiedenen Formen von Zugehörigkeit und Identitätsbildung in europäischen Gesellschaften.
Das Ziel des ENRI-East-Projekts ist es, neues Wissen und ein besseres Verständnis darüber zu erlangen, wie sich moderne europäische Identitäten und regionale Kulturen in Osteuropa formen, gegenseitig beeinflussen und ineinander spielen.

Mehr zu den Projektzielen

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Wie ist das ENRI-East-Projekt organisiert?

Das Projekt ist als interdisziplinäre und komparative Studie konzeptualisiert. Es wird von einem Konsortium, bestehend aus elf Partnern, umgesetzt. (Mehr zum Projektkonsortium). Theoretische und empirische Studien werden zusammengeführt und das Projekt schließlich in fünf Arbeitspakete unterteilt. Zusätzliche Arbeitspakete dienen der administrativen Planung der quantitativen und qualitativen Studien sowie der Verbreitung der Forschungsergebnisse und der Planung des Managements des Konsortiums und der Organisation von Trainings.

Mehr zu den ENRI-East-Projektkomponenten und Arbeitspaketen

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Warum der Slogan „Moving peoples and moving borders“?

Der Slogan soll ausdrücken, wie schnell und dynamisch sich die soziale und politische Landschaft in Osteuropa entwickelt. In einer historisch gesehen sehr kurzen Zeitspanne von nur 20 Jahren sind neue Länder entstanden (zum Beispiel Mazedonien und Estland), während die Grenzen andere Länder sich verschoben (zum Beispiel Serbien und Deutschland). Große Migrationsflüsse verändern die kulturelle und soziale Infrastruktur sowohl des Herkunfts- als auch des Ziellandes, unabhängig davon, ob diese Migrationsflüsse legal oder illegal, durch Gewalt ausgelöst, politisch oder ökonomisch begründet sind. Das ENRI-East-Projekt erforscht die „moving“ Faktoren im Alltag der Menschen und deren Gefühle von Zugehörigkeit.

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Was sind die Forschungsschwerpunkte des ENRI-East-Projekts?

Das Projekt widmet sich vier Querschnittsthemen. Diese Themen werden zunächst theoretisch beleuchtet und darauf aufbauend empirisch erforscht:

  • Das Zusammenspiel von Identitäten und Kulturen;
  • Ethnien und Nationen zwischen Staaten;
  • Selbstorganisation und Repräsentation von ethnischen Minderheiten entlang der östlichen EU-Außengrenze;
  • Historische Entwicklung, kollektives Gedächtnis, aktuelle Situation und aktueller Status, mögliche Entwicklungen und Dynamik von “geteilten Nationen” in Osteuropa.

Mehr zu den vier Querschnittsthemen

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Was sind die Forschungsinstrumente des ENRI-East-Projekts?

Das Projekt beruht sowohl auf theoretischen als auch auf empirischen Forschungsinstrumenten. Nach einer kritischen Literaturanalyse zu Identitäten und einer Analyse vorliegender statistischer Daten soll eine Serie soziologischer Umfragen entworfen werden, die neues Wissen zu den Hauptforschungsthemen liefern sollen.
Insgesamt werden sieben verschiedene Studien durchgeführt, darunter großangelegte quantitative Umfragen, Experteninterviews, Inhaltsanalysen, Analysen von Aufsätzen von Jugendlichen und zwei innovative und experimentelle Pilotstudien (eine Umfrage und eine Fokusgruppe zu Musik). Durch all diese Instrumente sollen Daten für die Bearbeitung der vier Querschnittsthemen gewonnen werden.

Mehr zu den Forschungsinstrumenten

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Was sind die geographischen Schwerpunkte des ENRI-East Projekts?

Geographisch umfasst das Projekt vier Regionen, die alle an jener Grenze liegen, die den europäischen Kontinent in West- und Osteuropa trennt bzw. die die beiden Teile verbindet. Diese Grenze hat mehrere Dimensionen: Es ist eine historische Grenze mit sich ständig ändernden Grenzlinien. Es ist eine politische Grenze, an der politische Machtspiele und gewaltsame Konflikte ausgetragen werden, aber auch Frieden geschlossen wird. Nicht zuletzt ist es auch eine soziale Grenze mit all seinen Kulturen, Religionen und Bräuchen. Um der Frage nachzugehen, was Europa an dieser Grenze trennt und verbindet, wurde das ENRI-East-Projekt ins Leben gerufen.

Vier Regionen werden für eine Tiefenanalyse herangezogen. Diese vier Regionen werden gewöhnlich als die Baltische Region, Osteuropa, Mitteleuropa und das Karpatenbecken bezeichnet.

Die folgenden Länder werden im Rahmen des Projekts behandelt: Polen, Ungarn, Russland, Ukraine, Weißrussland, Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Finnland und Deutschland sowie die entsprechenden Nationalitäten auf der gegenüberliegenden Seite der Grenze.

Mehr zu den geographischen Schwerpunkten

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Wie werden die Projektergebnisse kommuniziert und verbreitet werden?

Die Projektergebnisse sollen den folgenden Zielgruppen vorgestellt werden:

  • Forschungsgemeinschaft (ForscherInnen, Universitätslehrende, KonsulentInnen etc.);
  • Regierungsinstitutionen (auf nationaler, internationaler, regionaler und kommunaler Ebene), die sich mit Fragen zu Minderheiten, Migration und Integration in Osteuropa befassen;
  • NGOs, die zu diesen Fragen in den Forschungsregionen tätig sind.

Informationen zum Projekt und die Forschungsergebnisse werden auf der Website veröffentlicht. Printprodukte (Newsletter und Folder), eine regionale Workshopserie und die Abschlusskonferenz werden ebenfalls auf der Website angekündigt. Die Forschungsergebnisse sollen auch in thematisch benachbarten Konferenzen und über Medienkampagnen verbreitet werden.

Mehr zu Publikationen und Öffentlichkeitsarbeit

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Wie sieht der Projektzeitplan aus?

Das Projekt ist auf dreieinhalb Jahre angelegt. Es läuft von 2008 bis 2011. Im Frühjahr 2007 begannen wir mit der Projektplanung. Der 1. April 2008 war der offizielle Projektbeginn. Nach einer Vorbereitungsphase bis Frühjahr 2009, in der der theoretische Rahmen angepasst wird, die vorhandene Literatur und statische Daten analysiert werden und die Umfrage geplant wird, führt das Konsortium innovative, internationale soziologische Umfragen durch. Die ersten Ergebnisse sollen 2010 publiziert werden. Im Winter und Frühjahr 2010/2011 werden wir eine Workshopreihe in den vier Regionen durchführen und eine Abschlusskonferenz in Wien für das Frühjahr 2011 organisieren.

Mehr zum Zeitplan

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Wer ist Teil des ENRI-East-Konsortiums?

Ein Konsortium von über 50 Sozialforschern und Experten aus 11 Teams nehmen am Projekt teil. Die Teams stammen aus 7 verschiedenen EU- und 3 osteuropäischen Ländern.

  • Institut für Höhere Studien (Projektkoordinator, Österreich (Webseite)
    Forschungsleiter Prof. Hans-Georg Heinrich,
    Projektkoordinator und Teamleiter Dr. Alexander Chvorostov
  • TARKI Forschungsinstitut (Ungarn) (Webseite)
    Teamleiter Prof. Endre Sik
  • Universität Aberdeen (Großbritannien) (Webseite)
    Teamleiterin Prof. Claire Wallace
  • Osteuropa Institut Regensburg (Deutschland) (Webseite)
    Teamleiterin Dr. Barbara Dietz
  • Institut für Sozialforschung (Litauen) (Webseite)
    Teamleiter Prof. Arvydas Matulionis
  • Staatliche Universität Moskau (Russland) (Webseite)
    Teamleiter Prof. Sergei Tumanov
  • Staatliche Universität Weißrussland (Weißrussland) (Webseite)
    Teamleiter Prof. David Rotman
  • Ostukrainische Stiftung für Sozialforschung (Ukraine) (Webseite)
    Teamleiter Prof. Vil Bakirov
  • Universität St. Cyril und Methodius (Slowakei) (Webseite)
    Teamleiter Prof. Ladislav Macháček
  • Oxford XXI (Großbritannien) (Webseite)
    Teamleiterin Dr. Lyudmila Nurse
  • Universität Marie Curie-Sklodowska Lublin (Polen) (Webseite)
    Teamleiter Prof. Konrad Zieliński

Mehr zum Konsortium

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Wer koordiniert und wer finanziert das Projekt?

Koordination:
Das Institut für Höhere Studien (IHS-Wien) tritt als Projektkoordinator auf. Wissenschaftlicher Projektleiter Prof. Hans-Georg Heinrich, Projektkoordinator Dr. Alexander Chvorostov.

Mehr zum Institut für Höhere Studien und zu den Koordinatoren innerhalb des Konsortiums.
Mehr zum Koordinationsteam unter Kontakt.

Finanzierung:
Das Projekt wird von der Europäischen Kommission durch das 7. Rahmenprogramm/Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften (Grant #217227) mit einer Summe von 1,5 Mio. Euro gefördert. Die Kosten für das Kernprojekt werden sich auf geschätzte 1,7 Mio. Euro belaufen. Bei verschiedenen nationalen, internationalen und privaten Sponsoren wird um Co-Funding angesucht.

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